Freitag, 19. April 2013



Von Teststreifen, Gurken und 240 Kondomen

Die Zeit rast und die bevorstehenden Seminare für Secondary-Schüler rücken immer näher. Helena und ich sind in den letzten zwei Wochen voll in die Vorbereitung eingestiegen und haben für das HIV-/Aids-Seminar etliche Krankenhäuser und Dispensaries besucht, um mit den Schwestern und Doktoren über das Thema zu sprechen. Kann ich mich testen lassen? Muss ich dafür bezahlen, wenn ja, wie viel? Wie geht es weiter, wenn ich weiß, dass ich positiv bin? Etc. Das ging erstaunlich gut. Wir wurden echt ernst genommen und bekamen genügend Informationen, die wir für die Seminare verwenden können.

Bei der Gelegenheit haben wir uns auch gleich mal selbst testen lassen im Marangu Hospital. Ich war dann schon etwas nervös. Zum ersten, weil mir in meinem ganzen Leben noch nie Blut abgenommen wurde und ich die größten Horrorvorstellungen davon hatte. Zum zweiten musste ich mich dann doch mit dem Gedanken befassen, was wäre, wenn?! Ich war mir zwar sicher, dass ich nicht infiziert sein kann, aber doch kribbelte es überall und mir wurde leicht übel. Aber was ist das denn, wenn wir den Schülern ans Herz legen, sich unbedingt testen zu lassen, weil es einfach unheimlich wichtig ist, seinen Status zu kennen, damit man andere nicht ansteckt und ich es selbst noch nie über mich ergehen lassen habe?! Also auf zum Testen! Zu allererst bekamen wir eine Beratung und uns wurden etliche Fragen gestellt, so wie: Nehmt ihr Drogen? Seid ihr schwanger? Habt ihr einen Freund? Habt ihr regelmäßig Sex? Benutzt ihr Kondome? Etc. Anschließend ging es in den Testraum. Ein kleiner Piks, das war´s schon. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Meine Vorstellung von riesigen Nadeln und einem Liter Blut, das aus mir herausgesaugt wird, wurden nicht bestätigt… Das kleine Tröpfchen wird auf den unteren Rand des Teststreifens getropft und dann heißt es fünf Minuten warten. Jedenfalls war ich dann doch unglaublich erleichtert, als die Prozedur beendet war und ich offiziell negativ aus dem Marangu Hospital marschieren konnte.
Anschließend ging es zum Duka la dawa (Apotheke), wo wir die erste Bestellung von 240 Kondomen aufgaben, die nun auch schon in Helenas Zimmer stehen und darauf warten, in den Secondary-Schools über Gurken gestülpt zu werden. Wir möchten, dass jeder Schüler es einmal ausprobiert. Natürlich können wir das nicht von jedem erwarten, denn die Hemmschwelle ist groß und generell ist Sexualität ein großes Tabuthema, über das niemand spricht, vor allem, weil die tansanische Gesellschaft ja schon sehr religiös geprägt ist. Sex vor der Ehe? Geht gar nicht! Aber wir werden es versuchen, denn es ist schon etwas anderes, wenn wir das vorne einmal vormachen und alle nur zusehen, als wenn jeder selbst mal ran darf. Diese Möglichkeit möchten wir den Schülern bieten und hoffen natürlich, dass es angenommen wird.
Ansonsten haben wir neulich ein Zentrum für HIV-Infizierte und Aidskranke in Moshi entdeckt. Das ist soooo klasse! Es gibt etliche Beratungsstellen, Jugendarbeit, Seminare und jede Menge Material, von dem wir auch einiges mitnehmen durften für unsere Arbeit an den Secondary-Schools. Unter anderem einige Exemplare der Zeitschrift „Fema“, eine tansanische Jugendzeitschrift, in der Themen wie Sexualität und HIV/Aids, Umweltschutz, Freizeit, Musik usw. angesprochen werden. Unsere liebe Glory hat sich gleich mal ein paar Zeitschriften geschnappt und sie verschlungen. Scheinen ganz gut anzukommen! Auf jeden Fall wollen wir in jeder Schule (wir gehen in acht Secondary-Schools für die Seminare) einen kleinen Infotisch aufbauen, sodass die Schüler frei über das Infomaterial verfügen und sich in den Pausen belesen können. Neben den Zeitschriften haben wir Flyer, Poster und, und, und im Repertoire dank „Kiwakkuki“, dem Infozentrum in Moshi. Für unseren Vortrag an sich arbeitet Helena gerade an einer Powerpoint-Präsentation, wofür ich ihr sehr, sehr dankbar bin. (Das konnte ich noch nie ausstehen!) Ansonsten werden fleißig Briefe an Schulleiter und Pastoren geschrieben, damit wir dann auch ganz offiziell in die jeweiligen Schulen gehen können. Die Vorlage für das Seminar haben wir von Lea und Johanna, den ersten Freiwilligen unseres Projekts, die das damals ausgearbeitet haben. (Danke euch!) Ein Thema wird „Alkohol und Drogen im Zusammenhang mit HIV/Aids“ sein, dafür arbeiten Lola und ihre Schüler aus der Drama AG der Kiumako Secondary School in Uuwo gerade an Beispielfilmen, die wir dann in unserer Präsentation den Schülern unserer Gemeinden zeigen dürfen. Ich bin so froh, dass es diese Zusammenarbeit nun gibt. Die Schüler sind voll dabei und freuen sich, nun einen richtigen Auftrag zu haben und Helena und ich sind froh, dass wir uns nicht hinstellen müssen, um den Schülern anhand einer kleinen Szene die Folgen von Drogen- und Alkoholkonsum aufzuzeigen. So wird das dann alles viel authentischer auf die Schüler wirken und wir haben Spaß bei der Vorbereitung auf die szenische Darstellung. Ich war die letzten zwei Male mit dabei und habe den Schülern erklärt, was wir vorhaben und ob sie nicht Lust hätten, diese Filme zu drehen. Die Begeisterung ist riesig und ich kann kaum auf die Ergebnisse warten!
Die Seminare können losgehen und wir sind voller Vorfreude!
Eure Wiebke



Der kleine Piks und dann war's das schon

Helenas und mein Teststreifen (mit meinem neuen Spitznamen Vipi)

Ein bisschen Spass dabei muss auch mal sein!



240 Kondome und das war noch laengst nicht alles

Dienstag, 2. April 2013


 Von 100 Ostereiern und Schlammwetter

So meine Lieben, es wird mal wieder Zeit fuer mich, zu schreiben...
Am Wochenende haben wir Ostern gefeiert. Dies war wirklich anders für mich. Zu allererst war ich zweimal in der Kirche, Karfreitag und Sonntag. In Deutschland war ich zu diesem Anlass lange nicht  dort. Es hat mich zwar ein wenig Überwindung gekostet, um halb sieben schon aufzustehen. Doch es hat mir wirklich gefallen. Ich war mit Lola dort, Helena sitzt immer vorne, denn sie singt ja im Chor und spielt Trompete (so wie ich jetzt übrigens auch, zumindest habe ich begonnen, zu den täglichen Proben zu gehen und kann nun schon fast die Tonleiter spielen,…) und am Freitag waren wir echt gerührt. Wir haben drei Chöre in der Gemeinde Uuwo und als dann der „alte“ Chor und der der Jugendlichen zusammen ein Lied anstimmten, bekamen Lola und ich richtig Gänsehaut. Am Sonntag nach dem Gottesdienst habe ich bei der Versteigerung, die sozusagen zur Kollekte dient, einen riesigen Kürbis ersteigert. Die anderen Gemeindemitglieder mussten ziemlich schmunzeln und es ging ein Kichern durch die Runde draußen auf dem Vorplatz der Kirche, doch ich war ziemlich stolz und ausgelassen. Anschließend gab es ein langes und reiches Osterfrühstück bei uns zuhause, wir hatten sogar bunte Eier. Helena und ich sind zu Superosterhasen mutiert. Nachdem eine Mama am letzten Dienstag auf dem Markt in Mwika tatsächlich eine Vorbestellung für Freitag von hundert Eiern entgegennahm, waren wir unheimlich motiviert. Denn am Sonntag fand ein Kindertreffen in einer Gemeinde statt, die uns eher spontan eingeladen hatten. Sie wollten wohl gern, dass wir Ostern in ihrer Gemeinde verbringen. Also hatten wir beschlossen, ein paar Ostereier zu verstecken, was sich dann doch als etwas größer gestaltete, denn färbe mal 50-100 Eier ein. Die Farbe hatte meine Mutter mitgebracht, als sie im Februar mit meinem Bruder hier war. Also, erster Schritt: 100 Eier kaufen. Wie schon gesagt, klappte dies sehr gut, die Eier von Mwika hoch nach Uuwo zu transportieren übrigens auch. Helena hat sich bereiterklärt, diese verantwortungsvolle Aufgabe auf sich zu nehmen und Lola und ich trugen die restlichen Einkäufe (mit einem Piki, muss man dazu sagen…). Anschließend ging es ans Kochen und Einfärben. Das haben wir in 5 Etappen erledigt, 20 Eier pro Etappe. Nach ein paar Stündchen hatten wir´s endlich geschafft, inklusive 50 Naschitütchen mit einem Obama-Bleistift für jeden. Lola und Timo haben fleißig mitgeholfen, auch wenn Timo sich den ein oder anderen Bleistift oder Loli heimlich selbst einstecken wollte… Am Sonntag in der Gemeinde konnten wir dann so richtig durchstarten, obwohl es doch etwas gedauert hat bis unser Vorhaben vom perfekten Oster-Kindertreffen richtig ins Rollen kam. Die Fieldworkerin war nicht sehr fit und musste sich im Schatten ausruhen und dann war da noch der eine Evangelist. Als wir das letzte Mal in dieser Gemeinde waren, trommelte der alle Grundschulkinder zusammen und holte sie aus ihrer Pause, damit sie den Gästen schön was vorsingen konnten. Immer mit einem Stock in der Hand. Er war mir wirklich sehr unangenehm und ich hatte das Gefühl, die Kinder waren sehr verunsichert, wenn er dabei war. Jedenfalls gab es erst mal Essen, Pilau. Pilau ist ein Reisgericht. der Reis wird mit Gewürzen angerührt und es werden Fleischstücke dazugegeben. Dazu gibt es meist Kohlgemüse oder eine Art Spinat, sehr beliebt bei den Kindern (FLEISCH!) und typisch an Feiertagen. Unser lieber Evangelist beginnt. Er nimmt sich einen Teller. „Evangelist, du fängst an. Zeig uns den Weg.“ Die Kinder sehr zögerlich hinterher. Das hatte ich zuvor anders erlebt. Die Kinder zögern normalerweise nicht sehr lang und freuen sich sehr aufs Essen. Der Evangelist setzt sich in eine der hinteren Reihen zwischen ein paar Jungs, in einer Hand seinen Löffel, in der anderen den Stock, mit dem er ununterbrochen an die vordere Bank klackert. Lola, Helena und ich gucken uns an, kann das was werden heute?! Nach dem Essen gehen wir los, um die Kinder mit ein paar coolen Spielen zu locken. Dritter Abschlag, Sackhüpfen, Plumpsack usw.- das Standardprogramm. Aber es ging ausgesprochen gut. Die Kinder und wie immer auch wir hatten unheimlichen Spaß und konnten ausgelassen toben, spielen und rumalbern. Die Zeit verflog und der Parishworker rief uns zurück in die Kirche, wo wir unsere Bibeleinheit machen durften. Für Ostern hatten Helena und ich uns was Besonderes ausgedacht, Lulu und Gilo. Das sind zwei Sockenpuppen, die wir am Donnerstagabend mitten vor unserer Stammduka (kleiner Laden, wo man (fast) alles bekommt, was das Herz begehrt und gleichzeitig eine Art Kneipe, wo sich die Bewohner aus Uuwo ab und an oder auch mal öfter auf ein Bier/Soda treffen) gebastelt hatten. Mit Hilfe der beiden haben wir dann die Ostergeschichte, vermutlich zum hundertsten Mal, noch einmal aufgewärmt. Die Kinder waren etwas skeptisch und auch ein bisschen überfordert, die Gemeindemitarbeiter fanden es vielleicht auch nicht christlich genug, aber wenigstens Helena und ich hatten unseren Spaß. Doch das eigentliche Highlight war die Eiersuche. Während Helena die Geschenketütchen austeilte, rannten Lola und ich hinter die Kirche auf den Schulhof der anliegenden Grundschule und versteckten 50 Eier im Gras und in den Hecken. Leider fing es genau in diesem Moment an zu regnen, die Eierfarben verliefen ein wenig, doch die Kinder schien der Regen überhaupt nicht zu stören und alle rannten (nach anfänglicher Verwunderung und Missverständnisse) los, um ihr Ei zu finden. Was für ein schönes Bild das war und es mag nun kitschig und überzogen klingen, doch der Regenbogen in unseren Rücken leuchtete bunt vom Himmel.
Als wir dann müde und doch voll zufrieden und mit ausgelassener Stimmung den Rückweg nach Hause antraten, mussten wir ganz schön aufpassen, dass wir nicht im Schlamm versanken, denn zurzeit regnet es jeden Tag bzw. jede Nacht. Als wir dann doch ausrutschfrei zuhause ankamen, völlig durchnässt und erschöpft, erwartete uns schon unten am Hang der dicke Bass, der aus unserem Wohnzimmer strömte. Ostern wird gefeiert! Also alle Mädels hoch zu den Towos und Action! Es gab Pilau und Schokolade, Kuchen und Marmelade, Avokado und Mango, Bier und Soda für alle. Bis zehn wurde gedanct, doch dann war ich mit meiner Kraft am Ende und verkroch mich in mein Zimmer. Fünf Minuten später fiel dann auch der Strom aus und die Feier war zu Ende.  Ostern war schön.

Und wie schon geschrieben, hatte ich Besuch aus Deutschland von meiner Mutter und meinem Bruder Friedrich. Am 26.2. kamen die beiden um 3 oder 4 Uhr nachts/morgens am KIA, Kilimanjaro International Airport an und wir verbrachten zweieinhalb Wochen im vertrauten Dreiergespann hier bei mir zuhause in Uuwo, auf Sansibar und in Morogoro für die Safari im Mikumi National Park, wo ich ja schon während des Sprachkurses meine erste echte Safari unternommen hatte. Ich hatte mich unglaublich auf die beiden gefreut und es war, auch ein bisschen zu meiner Erleichterung, wie immer. Ich hatte das Gefühl, bei den beiden und auch bei mir hatte sich nichts verändert, die Zeit bleibt stehen und ich kann nach Hause kommen und es ist alles beim Alten. Vielleicht mag es gar nicht so sein, doch mir geht es so und das fühlt sich ziemlich gut an.
Die erste Woche waren wir bei mir, die beiden haben Helena und mich auf der Arbeit begleitet, was auch noch ein ziemliches Trara gab. Als wir in einer Gemeinde also zu viert auftauchten, um die Visitation im Ort zu machen, wurden wir alle das Gefühl nicht los, es wurde ein bisschen mehr erwartet als sonst. Wir besuchten einen Kindergarten, wo wir uns verhältnismäßig ziemlich lange aufhielten. Es wurde uns der Anbau gezeigt, der bald mal eine Grundschule werden soll und die Kinder vorgeführt. „Wo wollt ihr denn mal hin, wenn ihr groß seid?“ … „Deutschland!“ -na dann zeigt mal, was ihr drauf habt. Nach dem Motto lief das ganze ab und wir fühlten uns schon etwas unwohl, denn das hatten wir nun wirklich nicht beabsichtigt. Aber so konnten Mama Silke und Friedrich doch einen ungefähren Einblick in unsere Arbeit gewinnen und ich musste schon sehr schmunzeln, als meine Mutter ganz erschrocken feststellte, wie viele, langen Strecken wir Tag für Tag zurücklegen.  Obwohl ich gestehen muss, dass ich in letzter Zeit etwas faul geworden bin und ich mich immer wieder dabei erwische, zum Pikistand zu gehen, um nach oben kutschiert zu werden.
Nach einer knappen Woche in Uuwo habe ich mich dann sehr auf die Ferien mit den beiden gefreut und sonntagsmorgens früh ging es mit dem Bus nach Dar es Salam, wo wir im Hotel Kakerlaken zu Gast hatten und mein Bruder und ich nicht so recht schlafen mochten. Am nächsten Morgen ging es zur Fähre und rüber nach Sansibar, wo wir ein paar nette Tage in einem abgelegenen Guesthouse ein paar Meter vom Strand verbrachten. Mit einem älteren Paar aus Italien waren wir die einzigen Gäste und es war schon fast familiär. Mein Bruder spielte ab und zu mit den Kindern am Strand Fußball, Mama und ich gingen Muscheln sammeln und abends wurde gekocht und Stadt-Land-Fluss gespielt. Mit Salehe, dem Mann, der das Häuschen betreute, war ich am ersten Abend im anliegenden Dorf, seinem Zuhause. Und von da an ging ich jeden Abend dorthin, um mit oder ohne Begleitung von Friedrich unsere abendliche Cola und die heißbegehrten Glucose-Kekse zu kaufen. Es war eine sehr idyllische, friedliche Zeit, die nur manchmal durch die Einkaufstage im Zentrum Stone Town unterbrochen wurden. An sich ein schöner Ort, doch viel Getümmel und schwere Luft. Es hat sehr oft geregnet und da es auf Sansibar sehr heiß ist, mussten wir uns durch eine unglaubliche Schwüle durch die Gassen kämpfen.
Doch den größten Schrecken hatten wir auf dem Rückweg in das Guesthouse mit unserem Taxifahrer. Man musste etwa eineinhalb Stunden Strecke zurücklegen, um in die Stadt zu gelangen oder eben zurück und so entschlossen wir uns für ein Taxi. Der Fahrer war eigentlich ganz nett und sympathisch, doch als er dann auf der Tankstelle beim Zurücksetzen schon gegen die Tanksäule knallte, waren wir etwas verunsichert. Doch kann ja mal passieren, dachte ich. 15 km vor unserem Ziel verlor der Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen, als er einem dicken Truck ausweichen wollte. Wir flogen quer über einen Hubbel ins Gebüsch. Es hätte wirklich nicht viel gefehlt und das Auto hätte mit voller Wucht einen großen Baumstamm geknutscht. Nach dem großen Schock und dem Gelaber der Leute und der Polizisten, die zur Krönung des Ganzen noch 30.000 Shilling (ca. 15€) für sich unterschlagen haben, sind wir doch alle sicher und vor allem heil zurück angekommen. In Zukunft schnalle ich mich an und sitze lieber hinten…
Dann, nach unseren Tagen auf der Insel, in Morogoro angekommen, wurden wir von einem Bekannten von mir am Busstand abgeholt, der schon alles für uns organisiert hatte. Er brachte uns ins Hotel und ich verbrachte den Abend mit ihm und ein paar anderen Bekanntschaften, die ich beim Sprachkurs gemacht hatte. Am nächsten Morgen ging es in aller Frühe in den Mikumi National Park, wo uns zwei Löwen anschielten und ein (mehr oder wenig) kleines Elefantenbaby geboren wurde. Schon krass, dass so ein Elefant zwanzig Monate schwanger ist und wir dann diesen einen Moment ganz für uns allein miterleben durften… Neben Flusspferden, Giraffen und hübschen oder nicht so netten Vögeln, wie den Aasgeiern, die auf etwas rumhackten, was ich nicht so ganz zuordnen konnte, bekamen wir Affen, Warzenschweine (immer noch meine persönlichen Lieblingstiere) und andere Bewohner des Nationalparks zu sehen.  Also ein voller Erfolg. Auch meine beiden Lieben waren sehr angetan. Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass wir das alles ganz bald zusammen erleben dürfen!
Den Rest der Zeit haben wir ganz gemütlich zuhause verbracht, haben Helenas Geburtstag gefeiert und Timo bespaßt. Nun sind die beiden auch schon wieder zurück in Deutschland, der Alltag hat auf beiden Seiten eingesetzt und die Zeit rennt davon, sodass ich das Gefühl habe, schon bald wieder auf dem Frankfurter Flughafen zu stehen. Ich freue mich sehr, wieder nach Hause zu kommen, auf den Moment, wenn ich Mama und Friedrich am Gate stehen sehe und wir uns wieder haben. Doch auch ist mir unwohl bei dem Gedanken. Mir gefällt es hier momentan sehr gut und ich fühle mich richtig am Platz, nicht mehr ganz so fremd. Ich hab meine Lücke gefunden, wo ich so richtig gut reinpasse und habe Angst, das alles eines Tages zurückzulassen. Mir wird zwar mulmig bei dem Gedanken, aber andererseits habe ich auch nicht allzu viel Zeit, darüber nachzudenken. Denn auf der Arbeit haben wir zurzeit sehr viel zu tun und hängen auch schon ein bisschen hinterher. Wär hätte das gedacht? Anfangs habe ich mich so überflüssig gefühlt, was manchmal auch immer noch so ist, doch wir können nun mehr von uns aus einbringen, da die Sprache sitzt und wir unser Aufgabenfeld besser definieren können. Ab Mai beginnen wir mit den Schülerseminaren für Secondary-Schüler und arbeiten die Waisentreffen immer weiter aus, sodass die Berichte, auf die wir uns zu Beginn gestützt hatten, weil es das Einzige war, was wir so richtig machen konnten, seit einem Monat nicht geschrieben wurden. Aber auch dafür haben wir Kraft und Motivation, denn nebenbei gönnt man sich immer noch eine Kleinigkeit, wie zum Beispiel einen Schwimmtag im YMCA, einem Jugendhostel in Moshi, wo es einen Pool gibt. Helena und ich haben da nämlich eigentlich eine ganze Liste, die wir noch abarbeiten wollen, wie eine Stunde Getränke und Süßigkeiten oder Erdnüsse und Zigaretten in Himo am Busstand verkaufen oder Pikifahren lernen. Alltägliche Jobs, die man echt mal für sich ausprobieren kann :)
 
Meine Stimmung ist ausgelassen und ich erfreue mich am Leben und an Tansania, am Kilimanjaro, jedes Mal, wenn er hinter den Wolken hervortritt und die Sonne ihn anleuchtet und Lola und ich mal morgens in Moshi unterwegs sind, an der Ecke einen Kaffee trinken und Mandazi essen. 

Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Ostern und die Zehen brechen euch nicht ab, wenn ihr raus müsst, um dem Alltag nachzugehen!
Viele Grüße, eure Wiebke
Tauziehen, wobei uns die Kids wirklich abziehen

Jeder ist willkommen, auch der nette Opi da

Und die Suche kann beginnen!

Gilo und Lulu




Osterparty-die Moves sitzen

Sansibar

Sonntag, 24. Februar 2013



KOMMUNIKATION IST ALLES!

Nach unserer fantastischen Reise auf dem Ozean hat sich der Alltag wieder eingestellt. Die Arbeit geht weiter und nach einiger Frustration zu Beginn des Jahres bin ich nun doch wieder motiviert, voll in die Arbeit einzusteigen. Für mich war/ ist es oft schwierig, den Sinn in meiner bzw. Helenas und meiner Arbeit in dem Projekt zu erkennen, da wir nie wirklich eine Einführung in die Arbeit bekommen haben. Außerdem liegt es wohl auch daran, dass die einzelnen Parteien unterschiedliche Erwartungen aneinander haben und es mit der Kommunikation zwischen unserer Vorgesetzten und uns nicht immer rund läuft. Kommunikation ist alles, wie oft habe ich diesen Satz ausgesprochen und auch immer wieder verinnerlicht. Auch beim Zwischenseminar in Arusha, von dem Helena und ich am Sonntag wiedergekommen sind, ging es primär darum. Ich hatte mir nicht allzu viel erhofft von dem Seminar, außer die anderen Freiwilligen, die wir beim Sprachkurs kennengelernt haben, wiederzusehen und sich auszutauschen über die eine oder andere Erfahrung, die vielleicht etwas ähnlich sind. Aber ich muss sagen, es hat sich wirklich gelohnt. Sowohl aufgrund des Inhalts des Seminars als auch den Austausch untereinander betreffend, war das Seminar richtig klasse. Sicher gab es die eine oder andere Einheit, die mich nicht zu 100% angesprochen hat, wie zum Beispiel: Wie stellst du dir dein zweites Halbjahr in Tansania/Kenia vor? Male ein Bild! Die „wertvoll pädagogischen“ Gruppenspiele gab es dann doch in einem gewissen Maße, aber ansonsten bin ich voll zufrieden und habe außerdem an neuer Energie und Motivation gewonnen, sowohl für unsere Arbeit als auch das Leben in der Dorfgemeinschaft Uuwo, was eben doch sehr konservativ ist und ich manchmal das Gefühl habe, die Erwartungen an uns Freiwillige, also Gäste hier (wir werden selbstverständlich immer Gast bleiben...) trotz meiner Bemühungen nicht erfüllen zu können. Andererseits fühle ich mich zuhause und immer willkommen, auch wenn ich mich oft schon sehr wundern muss, was dann hinterm Rücken geredet wird, sowohl untereinander als auch über uns Freiwillige. Man steht eben doch immer im Fokus und kann nicht mal eben in Schlafanzughose und Kapuzenpulli zum Bäcker gehen und ganz anonym seine zwei Schokocroissants kaufen, wie ich das in Berlin gewohnt war. Nein, hier wird ordentlich gegrüßt und fleißig Hände geschüttelt, auch wenn man „im Freizeitlook, ganz unseriös mit ´nem dicken Lolli in der Backe“ durchs Dorf schlendert, so wie Lola und ich das ganz gern mal machen. Das klingt nun alles sehr negativ, aber ich find es auf der anderen Seite auch sehr schön, vor allem wenn die Leute sich meinen Namen gemerkt haben und nicht immer nur von allen Seiten „HELENA, HELENA“ gerufen wird. Also es freut mich dann doch mehr, als dass es mich nervt, man gehört dann doch irgendwie dazu, zumindest von außen betrachtet.
Ansonsten starten Helena und ich jetzt richtig durch bei den Kindertreffen an den Wochenenden, wo wir nun unsere eigene Bibeleinheit die ersten zwei Male vorgestellt haben und die auch echt gut bei den Kindern ankam. Wir wollten mal was Eigenes und vor allem Frisches in die Treffen einbringen und haben uns eine kleine szenische Darstellung zu einer Geschichte aus der Bibel überlegt. Wir glauben, das sei mal ganz abwechslungsreich zu dem sonst sehr trockenen Bibelunterricht. Die Kinder sollen die Geschichte selbst spielen und so besser erkennen worum es dort vielleicht geht. Bis jetzt kam das richtig gut an und macht auch Helena und mir riesigen Spaß.

Bis demnächst (vielleicht schaffe ich es ja in Zukunft öfters zu schreiben..),
eure Uupipi

Freitag, 22. Februar 2013


 Hallo meine Lieben,
leider kann der Computer hier im Internetcafe in Moshi meinen vorgeschriebenen Eintrag nicht oeffnen, da ich aber so lange nichts geschrieben habe, kommen hier schon mal ein paar Bilder... Weiteres folgt (hoffentlich) demnaechst!
Eure Wiebke


Zwischenseminar-die Supertruppe

Tarzan und Jane- ein bisschen Spass muss sein
Die Maedels vom ZMOE
In unserer Lieblingsmilkshakebar


Die Superwalimus
Tabsi, unser Neuzugang

Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit
Upendo wa mungu ni mkubwa!- Super- Hit der Kindertreffen
Bello, Bello, dein Knochen ist weg



Freitag, 11. Januar 2013


Und hier die versprochenen Urlaubsbilder



Rock around the Christmas palm(leave)

Erste Nacht unterm Sternenhimmel

Und es kann los gehen!

Bei den Black Panthers

Old School Pirates aka Professional Dreamers

Freitag, 4. Januar 2013


Das erste Drittel liegt hinter mir...

(als sei es erst zwei Wochen her)

Mich durchströmt ein unheimliches Glücksgefühl, ausgelöst durch Musik, die in meinen Ohren wummert. Denn nachdem ich Dösi meinen iPod und mein Handy (übrigens zweimal hintereinander, es wurden auch schon Wetten abgeschlossen, wann ich mein Auto verlieren werde…) in Moshi verloren hatte, fühlte ich mich ganz leer und da mein Computer schon immer nicht so viel hergegeben hat, bin ich jetzt ganz froh, dass Lola so einen super Musikgeschmack hat und ich freundlicher Weise ihre knapp 70 GB auf meinen Rechner ziehen darf! Also begleitet von unglaublich guter Musik verfasse ich nun diesen Blogeintrag.

Vor einigen Tagen, ich muss mich korrigieren: vor einigen Wochen, war ein riesiges Fest bei uns im kleinen beschaulichen Uuwo, 25 Jahre Konfirmation. Was man dort nun genau feiert, weiß ich immer noch nicht, allerdings sah das Ganze so aus: 10 Uhr Kirche bis open end (wie so oft) und anschließend gingen alle nach Hause, viele Häuser waren reichlich behängt mit Tüchern, Luftballons und, und, und. Da Helena und ich an diesem besagten Tag im Office und somit erst um 17Uhr zuhause waren, haben wir nicht allzu viel mitbekommen, aber schon auf dem Weg von der großen Straße nach oben zu den Towos, liefen uns Massen von (vor allem jungen) Leuten entgegen und die Bässe dröhnten aus verschiedensten Häusern. Betty, eine Freundin von Helena aus dem Chor winkte auch schon fröhlich. Also Helena und ich schnell nach oben, Sachen abgelegt und wieder runter. Haha, die Wazungu rennen schon wieder, riefen einige, aber das war uns egal. TANZEN! Dann sind wir erst mal von Haus zu Haus gegangen und haben ausgecheckt, welche Musik uns am besten gefällt und sind dann bestimmt drei, vier Stunden geblieben, um mit Jung und Alt zu tanzen. Das Publikum? Von 4 bis 70 Jahren, gemischt eben. Das hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und war dazu auch noch ein guter Start in den Urlaub, der nun auch schon wieder vorbei ist…
 Ich war ja mit Hanna erst in Arusha und anschließend noch in Pangani, an der Küste des indischen Ozeans, wo uns etliche schöne Sonnenuntergänge und ein unvorhersehbares Abenteuer erwartet haben, aber dazu im Anschluss mehr. Also, ihr merkt vielleicht, bei mir herrschte mehr Sommerfeeling als Weihnachts- und Adventsstimmung, obwohl wir uns echt bemüht haben! Wir hatten einen wunderschönen Adventskranz, den Helena und Verena liebevoll gebastelt haben und jede Menge Weihnachtsplätzchen sind in den Bäuchen gelandet, besonders Lolas Printen waren köstlich! 
















Uuuund wir hatten ja in den letzten Wochen, wieder muss ich mich verbessern, inzwischen ist es einen Monat und ein, zwei Wochen her, auch einiges zu feiern! Es standen drei Geburtstage an, die alle gebührend gefeiert wurden, obwohl das ja hier eigentlich nicht so üblich ist und der Geburtstag nicht wirklich wichtig für die meisten Leute ist. Aber nichts desto trotz bekamen Hanna, Carsten und ich einen wunderschönen Tag beschert! Außerdem den supersüßesten Kuchen, den ich jemals hatte, mit zehn Tonnen Zuckerguss!


Oh, und vor einiger Zeit hatten wir hohen Besuch. Als Helena und ich mal wieder bei einem Waisentreffen waren, haben wir noch ein bisschen mit dem Pastor der Gemeinde geschnackt (oh, man merkt, ich  bin hier nur unter Norddeutschen) und es kamen natürlich wieder die üblichen Fragen. Bist du verheiratet? Nein, warum denn nicht? Hast du einen Freund? Nein, oh, würdest du einen Tansanier heiraten? Ich such dir einen und besorg dir Haus und Feld, na wie wär das?! (ein schwungvoller Klaps auf die Wange) und so weiter. Jedenfalls war das eigentlich noch ganz lustig und er schien echt Humor zu haben. Kurzer Hand hat er sich dann einfach selbst zum Essen eingeladen, es gab Spätzle, was natürlich das Wort des Abends war. Der Abend hielt sich kurz, Frau und Kind waren mit. Das Essen war lecker, ab und an peinliches Schweigen. Doch man konnte sich dann doch gut unterhalten. Zurück in der Gemeinde zum Gemeinderundgang 1 ½ Wochen später geht es um Teufel, Hölle und Dämonen. Wie sehe der Teufel aus, schwarz oder weiß? Helena sagt, er sei rot, wie man das eben aus Filmen und Kinderbüchern kennt. Ich glaube nicht an den Teufel und die Hölle, sage ich. Das war vielleicht ein Fehler, denn jetzt geht es erst richtig los. Wenn es den Himmel und das Gute gebe, müsse es auch einen Gegensatz geben und das sei die Hölle und der Teufel, denn woher käme sonst das Schlechte, das Böse? Die Diskussion ist entfacht und ich versuche, meine Ansichten und meinen Glauben darzustellen und in gewisser Weise auch zu rechtfertigen und das macht mich wütend und traurig. Irgendwann blocke ich ab und sage nichts mehr. Helena führt das Gespräch fort und macht es ziemlich gut, ich bin froh, dass ich sie habe. Sachlich, ruhig und überzeugende Argumente. Das ist jedenfalls ein Thema, das die Menschen hier sehr beschäftigt. Ich habe das Gefühl, viele sind sehr von Angst geprägt und das sollte meiner Meinung nach nicht sein. Selbst viele junge Leute, mit denen ich mit unterhalten habe, berichten von Dämonen und Schreckgespenstern und was ich anfangs als Witz gehalten habe, ist wirklich ernst gemeint. Vor einiger Zeit beim Waisentreffen in der Mwika Bible School durften wir eine Art Dämonenaustreibung überraschender Weise miterleben. Wir spielen gerade mit den Kindern 1, 2, 3, Abschlag und plötzlich werden aus der Kirche nebenan, wo gerade ein Gottesdienst für junge Leute anlässlich eines Seminars stattfindet, fünf ohnmächtige Frauen herausgetragen, nicht sehr vorsichtig und liebevoll, muss man dazu sagen. Sie werden unnötiger Weise in die pralle Sonne gelegt und als eine Frau aufwacht, ist sie völlig verstört, springt auf und schreit. Wahrscheinlich sind einige der Frauen auch genau deshalb an den Beinen zusammengebunden. Die Kinder laufen verängstigt weg und die Kleinsten beginnen zu weinen. Völlig versteinert stehe ich da und bin genauso geschockt, verunsichert, verängstigt. Es geht weiter, einige Leute kommen, stellen sich im Kreis um die liegenden Frauen und beginnen Schreigebete. Viele der Frauen weinen und schreien, als hätten sie starke Schmerzen. Immer noch versteinert. Doch dann nehme ich die Kinder wahr. Helena und ich nehmen die Kinder an die Hand und gehen weit weg, wo wir nur noch wenig von den Schreien mitbekommen. Ich weiß bis heute nicht, wie ich damit am besten umgehen soll. Allerdings gibt es im Gegenzug auch viele Leute, die genau so denken, wie ich und ich bin froh, dass ich darüber reden kann, ohne mich rechtfertigen zu müssen oder ausgeschlossen zu werden. Wie auch neulich wieder ein interessantes, offenes Gespräch bei Helena im Zimmer mit Vicent entstanden ist. Vicent ist Pikipikifahrer in Mwika und war selbst mal im Waisenprojekt. Er war auch schon mit den anderen Freiwilligen vor uns befreundet und er ist echt ein guter Kumpel. Ich genieße es sehr, mich mit ihm zu unterhalten, weil er echt interessante Ansichten hat und man super mit ihm diskutieren und auch rumalbern kann, gleichzeitig ist das eine super Übung für mein Kiswahili.
Ansonsten hat nach den Ferien nun wieder der Alltag begonnen und ich freue mich schon sehr auf die nächste Zeit. Helena und ich haben nun auch unter anderem begonnen, die Kinderseminare zum Thema Gesundheit/HIV, Aids und für die Stipendiaten zum Thema Selbstbewusstsein und Lebenstraum (Was will ich werden? Was kann ich gut? usw.) zu planen. Darauf bin ich auch echt gespannt und freu mich schon. Aber das dauert ja auch noch. Zuerst kommen ja Mama und Friedrich zu Besuch im Februar, worauf ich mich schon riiiiiesig freue!

So, nun noch ein kleiner Ausschnitt aus meinem Reisetagebuch:
Dezember 2012- Eine Woche vor Weihnachten begannen die Ferien und so hab ich mich mit Hanna aufgemacht, ein bisschen was anderes zu sehen und zu entspannen. Erst ging es auf nach Arusha, wo wir uns unter anderem mit dem Kopf der Black Panthers- Bewegung in Kansas City Pete O´Neill und seiner Frau Charlotte bzw. Mama C getroffen haben, die wohl waschechte Hippies sind. Sehr esoterisch und sinnlich, würde ich sagen. Wir haben unter anderem gemeinsam gejammt, auf sehr interessanten, klangvollen Instrumenten, die sie selbst kreiert haben. Auf ging´s nach Pangani, Strandurlaub, voll dekadent im Beach Crab Resort mit Vollpension (für Volontäre gab´s Rabatt, muss man dazu sagen…). So paradiesisch es dort auch ist, so weiter ab vom Schuss ist es auch. Also hieß es Expressbus nach Tanga, von Tanga mit einem Kleinbus nach Pangani Town zur Fähre, 5 Minuten übers Wasser und von da aus noch mal eine Stunde mit Taxi, Pikipiki oder was einen sonst noch so mitnimmt, wie ein fetter Truck in unserem Fall zum Beispiel, aber das ist auch noch eine andere Geschichte. Schade nur, dass unser Bus von Arusha nach Tanga viel zu lange gebraucht hat und wir dann keinen Anschluss mehr nach Pangani zur Fähre bekommen haben. Also hieß es Taxi, was ordentlich gekostet hat/hätte. Doch da kommen plötzlich zwei Wazungu auf uns zu und fragen uns, wo wir hin möchten. Kurz, wir schließen uns zusammen und teilen uns das Taxi und wir verstehen uns super mit den beiden Jungs aus Schweden. Spontan kommen sie mit zu unserem Resort und wir verbringen ein paar nette Tage, an denen außerdem der Traum geboren wird, ein kleines landestypisches Fischerboot (Einbaum) zu kaufen und damit runter nach Dar es Salam zu segeln. Wir malen uns aus, schnacken und planen, nur mal so zum Spaß. Simon hat einen Segelschein und ein paar Tage später sitzen wir auf einer aus Bananenblättern geflochtenen Matte mit dem Chairman aus dem Ushongovillage/ Pangani und diskutieren den Kaufvertrag. Zack, unterschrieben. Das Boot gehört uns, einen Namen haben wir noch nicht. Es geht los, alles in Plastiktüten verpackt und gesichert gegen hohen Wellengang und Schwimmwesten an. Erste Nacht unter freiem Himmel am einsamen Strand, es fühlt sich komisch an und ich habe Angst vor Schlangen, aber ich genieße das einfache Leben und die Freiheit. Zweite Nacht, es ist Heiligabend. Wir stecken einen Palmenblatt in den Sand und tanzen zu Reggaebeats drum herum, es gibt Cola und einen Avocado-Tomatenmix aus dem Eimer. Die Affen kreischen im Hintergrund und wir haben Angst um unsere Sachen, doch alles bleibt am Platz und wir genießen die Ruhe und denken an Europa und den grausamen, erzwungenen Weihnachtsstress. Weiter geht´s, doch dann kommt alles anders. Der Wind zu stark, der Wellengang zu hoch, das Boot knallt gegen ein Riff. Alle Mann/Frau von Bord und das Boot retten. Hanna gerät in Panik und steckt mich auch ein wenig an, Gustav verletzt sich den Fuß und kann bis heute noch nicht richtig laufen. Wir überleben, was nie außer Frage stand und selbst mein Handy funktioniert noch. Auch unser Boot (es hatte nie einen Namen, wir konnten uns nicht einigen) hat es geschafft und wir konnten es sogar noch verkaufen. Bis Dar es Salam haben wir es nicht mehr geschafft, aber es hätte nicht mehr viel gefehlt und wir sind froh, wieder zu den Landratten zu gehören, war dann doch anstrengend und abenteuerlich. Doch wir haben es genossen und hatten unsere schönen Tage auf dem Boot. Meine Gastfamilie und meine Mitfreiwillige Helena waren wohl etwas enttäuscht, dass ich nicht da war, aber ich glaube, sie haben es auch verstanden. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit? Wie oft sagt man einfach mal ja und stellt sich dem Abenteuer? Das klingt jetzt wahrscheinlich super kitschig und dramatisch, aber irgendwie weiß ich mich nicht anders auszudrücken…(Urlaubsbilder folgen!)
Eure Wiebke

P. s. Ein frisches, geniales Jahr 2013 wünsche ich euch allen! Lasst es krachen und euch von Überraschungen und unvorhersehbaren Umständen nicht unterkriegen, lasst sie auf euch zukommen und macht das Beste aus allem!